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Spiele im 1 gegen 1 entscheiden

Praktische Trainingskonzepte

  • Welche 1 gg. 1 Situationen gibt es?

  • Coachingpunkte für Angreifer und Verteidiger

  • 1 gg. 1 als Konditionstraining

  • Trainingsformen zum taktischen 1 gg. 1

  • 1 gg. 1 im mannschaftstaktischen Kontext

  • 1 gg. 1 Wettbewerbe

Autor: Steven Turek

Redaktion: Peter Schreiner

Layout: Oliver Schreiner

Herausgeber: Institut für Jugendfußball

Seiten: 48

Abbildungen: 36

Vorwort von Steven Turek

 

Liebe Trainerinnen, Liebe Trainer,

 

in der Ausbildung von technischen und taktischen Fähigkeiten beobachte ich häufig, wie Fußballtrainer darauf Wert legen, dass Spieler Fähigkeiten und Verhaltensweisen im Training zeigen. Wir Trainer sollten uns allerdings viel häufiger die Frage stellen „Kann der Spieler diese Fähigkeit auch im Spiel abrufen!“. Wie häufig beobachten wir, dass Spieler im Training in der Lage sind, gute Aktionen zu zeigen, im Spiel davon aber nicht mehr viel zu erkennen ist? Für individualtaktische Verhaltensweisen in der Offensive und Defensive geben wir dann häufig den Spielern die Schuld. Doch hat der Spieler wirklich Schuld? Ruft der Spieler vielleicht genau das ab, was trainiert wurde, nur war das Training zu weit entfernt vom eigentlichen Spiel? Wie oft haben wir frontales 1 gegen 1 trainiert, aber Situationen mit dem Rücken zum Tor vernachlässigt? In welchen Abständen trainieren wir 1 gegen 1 im Training und in welchen Abständen kommt 1 gegen 1 im Spiel vor?

In diesem Praktischen Trainingskonzept versuche ich einige Aspekte in Bezug auf 1 gegen 1 Situationen aufzuschlüsseln! Dabei gehe ich zu Beginn auf die Bedeutung des Abstands ein und versuche Anregungen zu geben, warum gruppen- und mannschaftstaktische Elemente wichtig für ein erfolgreiches 1 gegen 1 sind. In der Folge liefere ich bekannte Coaching Tipps für unterschiedliche 1 gegen 1 Situationen und ergänze sie mit eigenen Coachings. Vor dem über 30 Seiten großen Praxisteil mit unterschiedlichsten Spielformen, Coachings und Variationen, gehe ich auf das grundsätzliche Coaching von 1 gegen 1 Situationen ein und liefere Anhaltspunkte, wie sie genutzt werden können, um gezielt konditionell zu arbeiten!

Ich hoffe mit diesem Praktischen Trainingskonzept einen Beitrag zur Weiterentwicklung eines der wichtigsten Themen im Fußball zu liefern und wünsche allen Lesern viel Spaß beim Lesen und Ausprobieren!

Steven Turek

1 gg. 1 effektiv trainieren (Ausschnitt)

1 gegen 1 als Konditionstraining 

Der Erfolg einer Spielformen steht in einem großen Zusammenhang mit Art und Weise, wie der Trainer diese steuert! So kann er durch Provokationsregeln, Linien, Feldgröße und Feldform (u.v.m.) gezielt einzelne Aspekte ansteuern und coachen. Dies gilt allerdings nicht nur für taktische oder technische Schwerpunkte, sondern auch für konditionelle Schwerpunkte!

Um in Spielformen zum 1 gegen 1 konditionelle Schwerpunkte gezielt anzusteuern, stehen dem Trainer zwei Steuerungselemente zur Verfügung: die Spielzeit (und somit Belastungsdauer) und die Feldgröße. Gerade in 1 gegen 1 Spielformen, die eher einen wetteifernden Charakter haben (im Gegensatz zu taktischen Schwerpunkten, die spielnah in Bezug auf Raumgröße bzw. erholt [ausreichende Pause] absolviert werden sollten) können diese Steuerungselemente gezielt eingesetzt werden.

 

Spielzeit: Je kürzer die Spielzeit gehalten wird, desto eher sind Spieler in der Lage eine maximale Explosivität in die Aktion zu legen und zu trainieren. Je länger die Spielzeit angelegt ist, desto eher müssen Spieler gegen Ermüdung ankämpfen und aus selbiger heraus Aktionen ausführen. Damit werden nicht nur konditionelle Fähigkeiten trainiert, sondern auch Mentalität und Willensbildung! Bei der Planung der Spielzeit spielt nicht nur die reine Belastungszeit, sondern auch die Erholungsphase eine entscheidende Rolle! Faustregel: Ist ein Spieler nicht (mehr) außer Atem, ist er (nahezu) vollständig erholt! Der Trainer kann somit genau steuern, wann er seinen Spieler in die nächste Belastung schickt.

 

Feldgröße: Je enger und kleiner ein Spielfeld (gerade im 1 gegen 1!) gestaltet ist, desto eher befinden sich Spieler auch in direkten körperlichen Auseinandersetzungen („In-Fight“), weil der Raum kein Ausweichen oder Wegsprinten zulässt. Je weiter und größer ein Spielfeld gefasst ist, desto kommt es zu Sprintduellen und Spieler müssen generell größere Strecken laufen. Trainer sind also in der Lage, Räume für ihre Spieler zu kreieren, um gezielt einen In-Fight Situationen, Sprints bzw. Bewegungsgeschick zu trainieren!

"If you are not obsessed with what you do - we don't speak the same language" - Kobe Bryant

1 gg. 1 Mannschaftstaktischer Kontext

 

Ablauf: In einer Spielfeldhälfte wird 6 gegen 6 plus je 2 Außenspieler gespielt. Die Außenspieler der ballbesitzenden Mannschaft und die jeweiligen Gegenspieler positionieren sich diagonal an den Markierungen der Außenzone (siehe Abbildung). Wird ein Außenspieler angespielt kommt es zu einer 1 gegen 1 Situation. Schafft der Spieler den Durchbruch in die Flankenzone, spielt er ohne Druck eine Hereingabe. Löst der Spieler das 1 gegen 1 in Richtung Zentrum (über die rote Linie), darf er ohne Gegnerdruck auf das Tor abschließen. Tore sind auch ohne Außenanspiel erlaubt. Tore nach einer Aktion über außen, zählen 3-fach.

 

Coaching: Der Außenspieler soll sich mit dem ersten Kontakt einen Vorteil verschaffen und den Ball in die Mitte oder die Linie entlang mitnehmen.

 

Variation: Dribbelt ein Außenspieler ins Zentrum, wird 7 gegen 6 im Zentrum gespielt – Überzahlspiel statt freiem Abschluss!

6_gegen_6_mit_Flügelzonen.jpg
Vorübung - 1 gg. 1 andeuten

 

Ablauf: Die zentralen Spieler oben und unten dribbeln gleichzeitig die jeweiligen Dummies an. Mit diesem Dribbling lösen sich die äußeren Spieler und bekommen (1), nach einer Finte (1) und dem Pass (2), den Ball. Mit dem Ball dribbeln sie ihrerseits auf ihre Dummies zu, spielen ihn (3) aus und spielen den Ball in die Tiefe (4). Die äußeren Spieler laufen ihrem Ball nach, während die Spieler, die die Aktion starten, auf die jeweils andere Seite wechseln (3).

 

Coaching: Darauf achten, dass die Spieler ihre Finte oder Körpertäuschung im richtigen Abstand zum Dummie ausführen. Spieler an den Außenpositionen sollen darüber hinaus schon mit dem ersten Kontakt bewusst auf den Dummie zu gehen!

Raute mit dummies.jpg
1 gg. 1 Linien Challenge

Ablauf: In einem tiefen Feld mit jeweils zwei Minitoren werden drei Punktelinien markiert. Der Angreifer startet auf der Grundlinie, dem Verteidiger wird eine Punktlinie zugewiesen (im Beispiel die 2-Punkte-Linie). Auf ein Kommando startet die 1 gegen 1 Situation. Der Angreifer sammelt Punkte durch überqueren der Linien und durch ein Tor (= drei extra Punkte). Erobert der Gegner den Ball, ist die Aktion beendet. Welche Mannschaft sammelt die meisten Punkte?

 

Coaching: Der Verteidiger muss den Dribbler so weit wie möglich von den eigenen Toren fernhalten und möglichst schnell Druck auf ihn ausüben.

 

Variation: Nach einer Balleroberung darf auch der Verteidiger Punkte sammeln (entsprechend der Linien + drei Punkte für ein Tor).

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