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Pressing-Resistenz

Aktuelle Taktik Trends

  • Taktische Grundsätze

  • Individuelle Fähigkeiten verbessern

  • Abstöße verbessern

  • Lösungen im Zentrum und auf dem Flügel

  • Perspektivwechsel

  • Trainingsformen

Autor: Steven Turek

Redaktion: Peter Schreiner

Layout: Oliver Schreiner

Herausgeber: Institut für Jugendfußball

Seiten: 60

Abbildungen: 53

Vorwort von Steven Turek

 

Liebe Trainerinnen, Liebe Trainer,

 

zunächst einmal stellen Sie sich als Leser sicherlich die Frage was mit Pressing-Resistenz überhaupt gemeint sein könnte. Daher eine kurze Definition: Pressing-Resistenz ist die Fähigkeit das gegnerische Pressing zu identifizieren, ihm zu widerstehen und gezielt zu überspielen. Sie umfasst individuelle Fähigkeiten, sowie mannschaftstaktische Strategien. Mit dieser Definition erhalten Sie einen ersten Eindruck über die Inhalte der folgenden Seiten.

Ein Kernelement des Offensivspiels allgemein ist der Versuch, den Gegner in Bewegung (präziser: ins Sprinten) zu bekommen. Pressing zeichnet sich dadurch aus, dass Spieler mit hohem Tempo den Ballführer unter Druck setzen. Warum nicht folglich dieses hohe Tempo auf eine positive Weise betrachten und für das eigene Spiel nutzen? Genau dies möchte ich mit „Pressing-Resistenz“ näherbringen.

 

„Auch der Gegner hat nur zehn Spieler. Schafft er irgendwo auf dem Platz Überzahl, muss er woanders Unterzahl haben – das ist nur logisch.“ - Carlo Ancelotti

 

Begreift ein Trainer das Pressing des Gegners folglich positiv, treten strategische Aspekte in den Vordergrund, denn: Hinter jedem guten Pressing steht eine Idee, wie der Ball gezielt erobert werden kann. Um diese Strategie zu kontern, habe ich verschiedenste Spiellösungen entwickelt, die sich an gängigen Pressingstrategien orientieren und die Schwachstellen gezielt ansteuern. Um diese Schwachstellen ansteuern zu können, kann es sein, dass unterschiedliche Spielertypen sich auf ungewohnten Spielpositionen wiederfinden. Hiermit möchte ich gezielt Anregungen geben und gewöhnliche Muster aufbrechen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, das gegnerische Pressing positiv aufzunehmen, es zu überspielen und für den eigenen Torerfolg zu nutzen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Steven Turek

Pressing Resistenz (Ausschnitt)

Perspektivwechsel

In der Bearbeitung unterschiedlichster taktischer Themen hilft es, die Perspektive zu wechseln, also die Frage zu stellen, wie genau der Gegner sein Pressing organisiert. Neben unterschiedlichsten Taktiken, die ein Lenken auf bestimmte Räume oder Spieler als Ziel hat, stellt sich grundsätzlich die Frage, in welchem Zahlenverhältnis eine Mannschaft in die aktive Balleroberung gehen möchte. In diesem Zusammenhang ist ein Pressing in Unterzahl genauso möglich wie in Gleichzahl mit allen Vor- und Nachteilen, die sich ergeben.

Gegner presst in Gleichzahl

Spielt der Gegner nicht in knapper Unterzahl im Pressing, so wird er in der Regel auf Gleichzahlsituationen setzen. Die Vor- und Nachteile ergeben sich äquivalent zu den vorherigen.

 

Perspektivwechsel: Aus der Kombination des engen Raumes und der Anzahl an Spielern lassen sich einfacher Pressing-Situationen herstellen. Gleichzeitig hinterlässt diese Gleichzahl im Pressing auch eine Gleichzahl im hinteren Bereich.

Die angreifende Mannschaft steht also vor der Aufgabe, in Gleichzahl den Spielaufbau zu bestreiten oder das Spiel schnell in die letzte Linie zu verlagern.

Was machen die gegnerischen 6er?

Diese grundsätzliche Unterscheidung in Pressing-Strategien lässt

sich am Verhalten der gegnerischen defensiven Mittelfeldspieler festmachen. Hierbei ergeben sich zwei mögliche Verhaltensweisen. Entweder ein zentraler Mittelfeldspieler übt Druck aus, während der anderen die Kette sichert (Pressing in Unterzahl), oder beide sichern den Zugriff auf ihre äquivalenten Spieler beim Gegner (Pressing in Gleichzahl). Dieses Verhalten hat auch Auswirkungen auf das Verhalten der Stürmer (oder umgekehrt). Kommen aggressive zentrale Mittelfeldspieler zum Einsatz, orientieren sich auch die beiden Stürmer eher mannorientiert zu den beiden Innenverteidigern, während ansonsten eher Passwege verteidigt werden.  

„The interesting thing about coaching is that you have to trouble the comfortable and comford the troubled“ – Ric Charlesworth 

3er Kette gegen Angriffspressing?!​

 

Analyse

 

Das Bilden einer 3er Kette aus dem Spiel heraus kann allerdings unterschiedliche Vorteile mit sich bringen. Wird gegen eine sehr aggressiv pressende Mannschaft gespielt, ist es keine Seltenheit, dass ein gegnerischer zentraler Mittelfeldspieler (8) dem 6er folgt, der den Aufbau zu einer 3er Kette ergänzt. Nun entsteht eine Situation, in der ein zentraler Mittelfeldspieler weit aus seiner Position heraus verteidigt, um eine Gleichzahl herzustellen. Dieselbe Gleichzahl entsteht allerdings auch in seinem Rücken. Nun kann über einen Flugball das Pressing von Blau überspielt werden.

 

Detail: Achtung der Unterschied liegt in diesem Fall darin, ob von vornherein mit 3er Kette gespielt wird oder ob sie situativ gebildet wird!

Grundsituation - 3er Kette gegen aktive
Optional - Weitere Spieler herausziehen

 

Analyse

 

Des Weiteren lassen sich aggressiv pressende Mannschaft ggf. dazu verleiten, auch den zweiten zentralen Mittelfeldspieler von der eigenen Abwehrkette zu lösen. Dies kann unter anderem mit einem kurzen Doppelpass (5 und 10) ermöglicht werden. Dann greifen alle Mechanismen des Spiels auf den zweiten Ball, sofern über einen Flugball der vordere Bereich angesteuert wird (7 und 11 würden dazu einrücken). Der Optimalfall ist ein flaches Anspiel in die Spitze, nachdem 8 und 6 von der Abwehrkette gelöst wurden.

Grundsituation_-_3er_Kette_gegen_aktive_
TF: 3 gg 2 auf 3 gg 2

 

Kleinspielform - Zunehmenden Druck erkennen

Ablauf: Im vorderen Quadrat spielt Rot gegen Blau 3 gegen 2 auf Ballhalten. Schafft Rot 5 Anspiele ohne, dass ein blauer Spieler den Ball berührt, erhalten sie einen Punkt. Jeder Zeit darf ein blauer Spieler des oberen Quadrats eine Gleichzahl herstellen (3 gegen 3). Besteht diese Gleichzahl ist es Rot erlaubt das Feld zu wechseln, entweder direkt mit einem Pass auf die andere Seite oder über die neutralen Spieler außerhalb des Feldes. Dadurch erhalten sie ebenfalls einen Punkt. Erobert Blau einen Ball und dribbelt aus dem Feld heraus, erhält Blau einen Punkt.

 

Coaching: Rot soll den zunehmenden Druck erkennen und gezielt überspielen.

 

Variation: Die neutralen Spieler weglassen. 

3 gegen 2 plus 2.jpg
TF: 3 Zonen mit beweglichen Spielern

 

Großspielform - Zunehmenden Druck erkennen

Ablauf: Das Spielfeld zwischen Strafraum und Strafraum wird in drei Zonen eingeteilt. In der ersten und zweiten Zone wird 3 gegen 2 und in der letzten Zone 2 gegen 2 gespielt. Darüber hinaus gibt es einen beweglichen Spieler (blau umkreist), der in allen Zonen verteidigen darf. Rot versucht, zum Tor zu kombinieren, während Blau verteidigt und kontert.

 

Coaching: Rot versucht, gute Zahlenverhältnisse zu erkennen und anzusteuern. Je nachdem, in welcher Zone der bewegliche Spieler verteidigt, ergeben sich Möglichkeiten, die zentrale Zone mit einzubeziehen oder zu überspielen.

 

Variation: Zwei bewegliche Spieler positionieren. Jetzt ergeben sich deutlich mehr Möglichkeiten für die blaue Mannschaft, offensiv zu pressen. Entsteht in der ersten Zone eine Gleichzahl, soll rasch überspielt werden. Ist eine Zone überspielt, dürfen überspielte Spieler entsprechend nachrücken.

Andere Zahlenverhältnisse organisieren.

3 Zonen Spiel auf zwei Tore (2).jpg