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Pressing-Resistance

German Top Level Tactics

  • Trainerorientierte Spielphilosophie

  • Idealtypische Spielstruktur

  • Spieltaktische Prinzipien

  • Trainingsformen

  • Steuerungsmöglichkeiten

Autor: Steven Turek & Jonas Stephan

Redaktion: Peter Schreiner

Layout: Oliver Schreiner

Herausgeber: Institut für Jugendfußball

Seiten: 76

Abbildungen: 32

Prologue by Steven Turek

 

Dear Coaching-Colleagues,

 

first and foremost, you as reader surely ask yourself what is meant by pressing-resistance. Therefore, a short definition: Pressing-Resistance is the ability to identify the opposing pressing, resist it and purposefully outplay it. It includes individual skills as well as team-tactical strategies. This definition gives you a first impression about the contents that will appear on the following pages.

A core element of most offensive strategies, is usually the attempt to press the opponent into motion, more precisely, into sprinting. Pressing distinguishes itself by players, creating high pressure on the ball carrier. Why don’t we consequently consider that opposing pressure in a positive way and use it for our own strategy? That’s exactly the aspect I want to discuss in “Pressing-Resistance”.

 „The opponent only has ten players as well. If he creates numerical advantage somewhere on the pitch, somewhere else has to be a numerical disadvantage - that’s simple logic.” - Carlo Ancelotti

If a coach considers the opposing pressing in a positive way, strategic aspects become more important, because: Behind every good pressing strategy is an idea, how the ball is supposed to be won. To counter that strategy, I developed all kinds of match solutions, which orient on common pressing strategies and specifically focus on weak spots. To focus on these weak spots, it can happen that specific types of players find themselves in unfamiliar positions on the pitch. Therewith, I purposefully want to provide suggestions and break up common thinking patterns.

I wish you the best to consider the opposing pressing positively, to outplay it and use it for an own goal!

Enjoy reading, Steven Turek

Von der Spielphilosophie zur Trainingsform (Ausschnitt)

Die Trainerorientierte Spielphilosophie

Laut Duden ist eine Philosophie, die persönliche Art und Weise das Leben und die Dinge zu betrachten. Überträgt man diese Definition auf den Fußball, bezeichnet sie eine Art und Weise den Fußball zu betrachten. Die Spielphilosophie wird von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Hierzu zählt die Erfahrung des Trainers. Erfahrung bezeichnet das reflektierte Erleben unzähliger Situationen als Spieler oder Trainer, wodurch sie in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Fachwissen steht. Das Fachwissen ist die Basis, um Erfahrungen einordnen und reflektieren zu können. Sie muss des Weiteren durch Trends und Fortbildungen des modernen Fußballs ergänzt werden, um sicherzustellen, dass der Trainer nicht „der Zeit hinterherläuft“. Eine weitere Quelle für neue Informationen ist der Austausch mit Trainerkollegen, Spielern und weiteren Personen. Jeder Trainer muss entscheiden, welche Informationen er für seine Philosophie nutzen kann, und welche er nicht benötigt.

Tipp: Vergessen Sie bei allem Fachwissen nicht, dass Sie immer Sie selbst bleiben. Auch ein Trainer muss sich in seiner Rolle wohl fühlen. Können sie diese Authentizität, mit dem ständigen Willen sich weiterzubilden, kombinieren, sind Sie auf dem Weg ein besserer Trainer zu werden!

Jeder Trainer entstammt des Weiteren einer Fußballkultur, die er mehr oder weniger bewusst wahrnimmt. Ein Trainer, der in den Niederlanden aufgewachsen ist, hat automatisch eine ganz andere Spielphilosophie als ein Trainer aus Süddeutschland. Dabei ist es wichtig, sich dieser Prägung bewusst zu sein, um sich für neue Inhalte öffnen zu können. Des Weiteren muss die Spielphilosophie in einem Zusammenhang mit dem Umfeld stehen. So liegen die Schwerpunkte eines Herren-Regionalliga-Trainers auf anderen Gebieten als die eines B-Jugend-Bundesliga-Trainers. Auch das Vereinsumfeld kann ein solcher Faktor sein. Das Wissen um diese Einflussfaktoren ermöglicht es dem Trainer, seine Philosophie anzupassen, und trotzdem authentisch zu bleiben.

"My way of working is different - doesn't make it right - doesn't make it wrong either" - Brendan Rodgers

TF: 3 vs 2 to 3 vs 2

 

Small Sided Game – Recognizing increasing Pressure

Organization: Red plays a 3 on 2 against Blue in the front square, with the aim to keep the ball in own ball-possession. If Red achieves 5 successive passes, without Blue touching the ball, they receive one point. At any time, one blue player of the upper square is allowed to create equal numbers (3 vs 3). After equal numbers are created, Red is allowed to switch the square, either by a direct pass towards the other side or over the neutral player outside the fields. By doing so, they also receive one point. In case Blue wins a ball and dribbles out of the square, they receive one point.

Coaching: Red is supposed to recognize the increasing pressure and mindfully switch fields.

Variation: Leave the neutral player off.

TF: 3 vs 2 to 3 vs 2

 

Small Sided Game – Recognizing increasing Pressure

Organization: Red plays a 3 on 2 against Blue in the front square, with the aim to keep the ball in own ball-possession. If Red achieves 5 successive passes, without Blue touching the ball, they receive one point. At any time, one blue player of the upper square is allowed to create equal numbers (3 vs 3). After equal numbers are created, Red is allowed to switch the square, either by a direct pass towards the other side or over the neutral player outside the fields. By doing so, they also receive one point. In case Blue wins a ball and dribbles out of the square, they receive one point.

Coaching: Red is supposed to recognize the increasing pressure and mindfully switch fields.

Variation: Leave the neutral player off.

4 gegen 2 Balljagd

Ablauf: In einem 10x10m großen Feld wird 4 gegen 2 wechselnde Pärchen gespielt. Beide blaue Pärchen haben eine Startmarkierung außerhalb des Feldes. Mit dem Anspiel des Trainers auf die rote Mannschaft versucht ein blaues Pärchen den Ball zu erobern (ein Ablenken des Balles reicht). Schafft die rote Mannschaft vier Pässe, ohne dass die blauen Spieler den Ball berühren, sprintet das Pärchen wieder aus dem Feld heraus, und das andere blaue Pärchen versucht den Ball zu erobern. Bei einer Ballberührung wechselt das Pärchen mit zwei roten Spielern die Aufgabenstellung.

 

Coaching: Rot versucht den Ballbesitz zu halten (s. TF oben). Auf dem defensiven blauen Team liegt der Schwerpunkt. Durch den erhöhten Zeitdruck (sie haben nur 4 Pässe „Zeit“ den Ball zu berühren) muss das blaue Pärchen mit vollem Tempo anlaufen. Ein abwartendes, strategisches Verteidigen führt zu keinem Erfolgserlebnis. Simuliert wird wahlweise ein kurzes aggressives

Gegenpressing nach Ballverlust (der Pass des Trainers wird als Fehlpass gesehen) oder ein Anlaufen der Stürmer im Angriffspressing. Besonderes Augenmerk liegt auf der Mentalität. Der Trainer ist gefragt, seine Spieler auch nach mehreren Misserfolgen weiter zu „pushen“ bzw. Eigenmotivation gegen Widerstände einzufordern.

 

Variationen: Änderung der Feldgröße, (größer: offensive leichter, defensiv schwerer) Anzahl der Kontakte (mehr/weniger) und Anzahl der Pässe (leichter/schwerer)

Belohnungen und Bestrafungen einführen (Anreize und Motivation schaffen).

Aufbau zweimal nutzen. Der Ball wird nach 4 Pässen in das andere Feld verlagert (zusätzliche Schwerpunkte der Spielverlagerung).

Beispiel II - 6 gegen 0 Flankenspiel

Ablauf: Die beiden zentralen Mittelfeldspieler, der 10er, sowie die drei offensiven Spieler besetzen ihre Positionen entsprechend der Abbildung. Es werden Kombinationen bis zum Torabschluss durchgespielt. Alle Kombinationen laufen über den Flügel, wo der Flügelspieler ein gegnerüberwindendes Dribbling absolviert. 

 

Coaching: Abgeleitet aus dem Wettspiel werden alle technischen und taktischen Merkmale trainiert. So sind vor allem die Stellungen zum Ball, die Abstände untereinander, sowie die Passqualität von erhöhter Bedeutung. Des Weiteren spielt das Timing eine große Rolle. Für das gezeichnete Beispiel bedeutet das Folgendes: Der erste Pass wird auf den 10er gespielt. Dieser Pass wird bereits leicht zur linken Seite gespielt, um eine Weiterleitung auf die nächste Position zu vereinfachen. Mit diesem Pass löst sich der Flügelspieler bereits mit einer Auftaktaktion und wird leicht in den Vorlauf

angespielt. Der Flügelspieler kann nun seine Täuschungsbewegung durchführen und dann das Tempo steigern. Die beiden Stürmer starten jetzt bereits auf den kurzen und langen Pfosten. Die Flanke wird flach auf die erste Position oder hoch auf die zweite Position, am langen Pfosten, gespielt. Der Abschluss erfolgt mit einem Kontakt. 

 

Variationen: Kombinationen, die den gegnerischen Außenverteidiger direkt überspielen (Flanke muss direkt aus dem Lauf gespielt werden).

6 gegen 0 gegengleich

Ablauf: Zwei Mannschaften stellen sich entsprechend der Abbildung auf. Rot sind die offensiven Positionen (Mittelfeld und Sturm). Blau ist im Spielaufbau (Abwehr und Mittelfeld). Beide Mannschaften spielen gleichzeitig Kombinationen bis zum Torabschluss.

 

Coaching: Durch die Behinderung einer anderen Mannschaft kommt es zu spielnahen Abläufen. Spielern wird eine Kombination vorgegeben (mit vorgegebenen Freilaufbewegungen). Sie müssen jedoch jede Situation erkennen und neu einschätzen. Die Spieler müssen aktiv die Passwege offen halten. Dazu sind Ausweichbewegungen (horizontal und vertikal) notwendig. Somit steht die spielnahe Umsetzung im Vordergrund, weniger die schulbuchmäßige Technik. Zum Beispiel können, wenn es zweckmäßig ist, Pässe auch mit der Außenseite gespielt werden. Des Weiteren könnte es notwendig sein, den Ball mit einem kurzen Dribbling zu bewegen, um einen Passweg zu öffnen.

Variationen: Beide Mannschaften treten im Wettbewerb gegeneinander an (welche Mannschaft schafft zuerst den Torabschluss, nach gleichzeitig mindestens fünf Pässen?).

Nach einem Abschluss wechseln die Aufgaben (Rot spielt im nächsten Durchgang den Spielaufbau, Blau spielt auf das Großtor mit Torhüter).