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Tief stehende Gegner knacken

Aktuelle Taktik Trends

  • Gezielte Spiellösungen gegen 4er und 5er Kette

  • Perspektivwechsel

  • Trainingsformen

    • für den Ballbesitz​

    • für Gegenpressing​​

Autor: Steven Turek

Redaktion: Peter Schreiner

Layout: Oliver Schreiner

Herausgeber: Institut für Jugendfußball

Seiten: 98

Abbildungen: 66

Vorwort von Steven Turek

 

Liebe Trainerinnen, Liebe Trainer,

 

im Fußball zeichnen sich immer wieder ungleiche Duelle ab – David gegen Goliath. Nicht selten wählt der „David“ in dieser Situation eine sehr defensiv ausgerichtete Taktik, mit dem einzigen Ziel, Tore zu verhindern. Trainer bedienen sich dabei nicht nur der 4er-, sondern immer regelmäßiger auch der 5er Kette, die weitere Stabilität in der Defensive versprechen. Aber nicht nur in diesen vermeidlich ungleichen Duellen finden sich solche Strategien. Mannschaften wie

Atletico Madrid greifen regelmäßig auf diese taktische Ausrichtung zurück. Sie ziehen sich weit zurück und verteidigen so kompakt und intensiv, dass ein Durchkommen nahezu unmöglich erscheint. Diese Variante des Defensivspiels als Herausforderung zu begreifen, ist die Aufgabe eines jeden Trainers!

Aus diesem Grund befasst sich dieser inzwischen fünfte Teil der aktuellen Taktik Trends gezielt mit dem Spiel gegen einen tief stehenden Gegner. In der bekannten Aufteilung (Grundsätze – Spiellösungen – Trainingsformen) finden Sie gezielte Ideen im Spiel gegen einen tief stehenden Gegner. Eine konkrete Unterscheidung findet in Hinblick auf die vom Gegner gewählten Grundordnung statt. So finden sich Spiellösungen gegen ein 4:4:2 genauso wie Lösungen gegen ein 5:4:1, die sich in der Umsetzung und Gestaltung deutlich voneinander unterscheiden. Kurzzeitig die Perspektive zu wechseln und zu analysieren, wie ein Gegner mit einer 4er-/5er-Kette wahrscheinlich verteidigt, soll dabei das Verständnis noch weiter erhöhen.

Ebenfalls kann das inzwischen bekannte Gegenpressing eine große Rolle im Spiel gegen einen tief stehenden Gegner einnehmen – auch um Tore zu erzielen. Dazu finden Sie gezielt Trainingsformen im Praxis-Teil. Hier finden Sie ebenfalls zahlreiche Spielformen, die gezielt das Herausspielen von Torchancen verbessern. Das Ganze wird abgerundet mit Grundsätzen für das Training, sowie zahlreichen Variationen und Coachings.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Steven Turek

Tief stehende Gegner knacken (Ausschnitt)

Taktische Grundsätze​

Reihen überspielen

Das erste grundsätzliche Prinzip bezieht sich auf den Aufbau von Linien im Defensivverbund. Ein Kernelement des Angriffsspiels ist es, diese Linien zu überspielen. Aus diesem grundsätzlichen Konzept ergeben sich unterschiedliche Ausführungsmöglichkeiten. Im Beispiel unten laufen sich mehrere Spieler Richtung Ball frei (6 und 8), sichern den Ballvortrag und das sichere Überspielen der ersten Abwehrreihe von Blau.

Der Hacken an dieser Möglichkeit, Reihen zu überspielen, sind die verbliebenen Spieler im vorderen Bereich. Häufig ergeben sich insgesamt ungünstige Zahlenverhältnisse im vorderen Bereich, die ein erfolgreiches Angriffsspiel deutlich erschweren. Und auch wenn in der Folge Spieler wieder von hinten nach vorne das Zahlenverhältnis verbessern können, ergeben sich grundsätzlich

zunächst ungünstige Situationen. Darüber hinaus ist bei einem tiefe stehenden Gegner davon auszugehen, dass Spieler, die sich auf Höhe der Abwehrreihe fallen lassen (wie beispielsweise 6oder 8), nicht verfolgt wird. Somit öffnen sich auch keine Räume, die in der Folge genutzt werden können.

 

Somit gilt folgender Leitsatz: Gegnerische Reihen mit möglichst wenigen eigenen Spielern überspielen!

"Kennst du dich selber sehr gut - wirst du manche Kämpfe gewinne und manche Kämpfe verlieren. Kennst du aber dich und deinen Gegner sehr gut - wirst du jeden Kampf für dich entscheiden." - Sprichwort der NAVY Seal

Die Stürmer aus dem Spiel nehmen

Ballferner Innenverteidiger höher

Das Primärziel für jeden Spielaufbau ist, die gegnerischen Stürmer mit möglichst wenig Aufwand (das heißt: möglichst wenigen eigenen Spielern) zu überspielen. Dies kann vor allem in Verlagerungssituationen effektiv erreicht werden. 2 ist am Flügel in Ballbesitz. Der Gegner verschiebt schnell und effektiv zur Ballseite und schließt Pässe in die Tiefe (auf beispielsweise 7oder 9). Die beiden Spitzen (9 und 11) schieben ebenfalls zur Ballseite. Je nach Pressing-Strategie oder Auslöser kippt die ballferne Spitze (11) deutlicher oder weniger deutlich ab, um Kontakt zu den beiden 6ern (6 und 7) herzustellen. Entscheidend ist die Stellung der beiden Innenverteidiger. Wird der Ball aus der Seite über 4 wieder herausgespielt (die Höhe von 4 ist mitentscheidend, um Blau in Bewegung zu bringen), gewinnt 5 so weit wie möglich an Höhe, ohne dabei Gefahr zu laufen, bei einem Pass einen

Ballverlust zu erleiden. 5 erhält den kurzen Pass auf Höhe der gegnerischen Spitzen, was Blau zwingt im höchsten Tempo zum Ball zu verschieben („Gegner in Bewegung bringen“).

Den gegnerischen Innenverteidiger herausziehen​

Die beste Möglichkeit, den gegnerischen Verbund effektiv zu überspielen, ergibt sich aus der Position des 9ers. Löst er sich zwischen die Ketten, entsteht für Blau folgende Problematik („Pick your Poison“): Kann 9 angespielt werden und wird von keinem Innenverteidiger verfolgt, kann er aufdrehen und auf die Kette zudribbeln. Verfolgt 4 9 allerdings mannorientiert, reißt er eine Lücke in die 4er Kette. Diese Lücke kann über den Dritten genutzt werden. Durch diese Stellung von 9 erhöht sich folglich die Anforderung an Blau zu verteidigen.

Mit dem Pass von 5 auf 9 (und dem Herausrücken von 4) sprintet 8 die entstehende Lücke an („Offene Räume anlaufen“) und kann einen Pass über den Dritten (3 – Achtung: Kein Querpass bei 2!) in die Tiefe bekommen. Alle weiteren Spieler im vorderen Bereich (10 und 7) starten in und an den Strafraum um

Abspielmöglichkeiten zu generieren.

Anmerkung: Die Möglichkeit, den gegnerischen Innenverteidiger herauszuziehen und den entstehenden Raum zu nutzen, ergibt sich häufig nur im Spiel gegen eine 4er Abwehrkette. Mehr dazu im Kapitel „Spiel gegen eine 5er Kette“.  

PERSPEKTIVWECHSEL

"Tief-stehende Gegner knacken" besticht durch zahlreiche Perspektivwechsel. Hierbei wird die Situation aus der Sicht der jeweils anderen Mannschaft analysiert und daraus Verhalten für die eigene Mannschaft abgeleitet!

Analyse: Vorteile der 5er Kette

 

Vorteil: Aus der Kette heraustreten

Formationen mit 5er Abwehrkette bzw. drei Innenverteidigern sind vor allem auf die Bewegungen des Gegners zwischen den Ketten ausgelegt. Die Problematik, wann der Innenverteidiger auf welchen Spieler herausrückt, wird dadurch eliminiert, dass aus zwei Innenverteidigern drei gemacht werden. Hierdurch ist ein Herausrücken auf Spieler zwischen den Ketten immer und jeder Zeit möglich, da selbst bei einem schlechten Timing nach wie vor eine 4er Kette im hinteren Bereich bestehen bleibt. Lücken, die durch ein Heraustreten entstehen, sind deutlich kleiner und somit schwer anzuspielen.

 

Folge: Während das Zwischenkettenspiel und das Herausziehen eines Innenverteidigers eine optimale Strategie gegen eine 4er Kette darstellt, ist dies gegen eine 5er Kette keine effektive

Möglichkeit. Vor allem Bewegungen von zentralen Spitzen, die sich von der Abwehrkette weg in die Zwischenräume bewegt, werden effektiv abgefangen. Folglich müssen andere Wege zwischen die Ketten gefunden werden, um trotzdem eine optimale Position für Zuspiele zu haben. 

Spielformen gegen tief stehende Gegner

10 gegen 9 mit 10er Zone

Ablauf: Im markierten Feld wird insgesamt 10 gegen 9 gespielt. Die 4er Kette der verteidigenden Mannschaft befindet sich dabei im markierten Streifen. Darüber hinaus befinden sich zwei rote Spieler in den 10er Boxen (ausschließlich). Wird ein 10er angespielt, dürfen ausschließlich die Verteidiger eingreifen, die sich im markierten Streifen befinden. Die Angreifer versuchen, zum Torerfolg zu kommen. Ist die Zone überspielt, darf kein Verteidiger mehr eingreifen. Erobern die Verteidiger den Ball, kontern sie auf die Minitore. Bei einem Ausball eröffnet der zentrale Angreifer mit einem Ball aus dem Balldepot (dieser Spieler spielt nicht im Feld, sondern dient ausschließlich als Anspielpunkt).

Coaching: Durch die Organisation werden regelmäßig

Innenverteidiger des Gegners aus ihrer Position herausgezogen. Diese Räume sollen erkannt und angelaufen werden.

 

Variation: Die Verteidiger dürfen bis zum Tor verteidigen.

9 gegen 9 mit Safe Areas

Ablauf: Von Strafraum zu Strafraum wird ein Feld markiert. Hinzu kommt eine ein Meter breite Außenzone. Des Weiteren finden sich in jeder Hälfte Abseitslinien. Die Mannschaft in Ballbesitz darf die schmalen Außenzonen („Safe-Areas“) nutzen (Die Verteidiger nicht). Allerdings sind in der Zone ausschließlich zwei Kontakte erlaubt – spätestens der dritte Kontakt muss wieder ins Feld zurückführen. Pässe innerhalb der Safe Area sind nicht erlaubt.

Coaching: Spieler sollen Reihen mit dem ersten Kontakt überspielen, indem sie sich so schmal wie möglich an dieser Linie bewegen (Safe Area). Der Schwerpunkt liegt auf dem ersten und zweiten Kontakt des Außenspielers und seiner Spielfortsetzung.

Variation: Die Safe Areas verbreitern. Die Kontaktregel wird aufgehoben. Dafür darf ein Verteidiger mit dem Anspiel ebenfalls in die Safe Area.