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"Der beste Trainer werden, der ich sein kann"

von Lars Lorenz

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Trainer

Die Arbeit zwischen den Momenten

Wenn man ihn auf dem Trainingsplatz beobachtet, wirkt nichts spektakulär. Keine großen Gesten, keine lauten Inszenierungen. Und doch ist genau das bezeichnend. Für ihn liegt der Kern der Trainerarbeit nicht im einen Moment, der hängen bleibt, sondern in der täglichen Wiederholung – in der konsequenten Arbeit an Details, die sich erst über Zeit entfalten.

Seit August 2024 ist er U19-Trainer bei Atlanta United. Eine Rolle, die seinem Profil entspricht: die Arbeit mit Spielern im Übergang zum Profibereich. Genau dort, wo Talent allein nicht mehr reicht und Persönlichkeit, Haltung und Belastbarkeit über den nächsten Schritt entscheiden.

„Ich mag die Arbeit an den Kleinigkeiten“, sagt er. „Diese zu organisieren und zu verbessern, um das Große und Ganze Schritt für Schritt besser zu machen – das ist, was ich liebe.“

Warum Trainersein für ihn nie eine späte Entscheidung war

 

Trainer wurde er früh. Mit 17 Jahren, im Heimatverein VfB Peine. Kein großer Plan, eher ein natürlicher Prozess. Erst U10, dann U12, später bis zur U17. Über Jahre hinweg trainierte er jede Jugendmannschaft des Vereins.

Rückblickend war das weniger ein klassischer Karriereweg als eine Schule des Alltags: unterschiedliche Altersstufen, unterschiedliche Bedürfnisse, immer neue soziale Konstellationen. Diese Zeit prägte sein Verständnis von Entwicklung nachhaltig. Nicht als linearen Prozess, sondern als etwas Fragiles, das Aufmerksamkeit, Geduld und Struktur braucht.

Der Gedanke, dass Spieler sich „von selbst“ entwickeln, war für ihn nie realistisch.

Sieben Jahre im Nachwuchsleistungszentrum – und was davon geblieben ist

 

2016 wechselte er ins Nachwuchsleistungszentrum von Hannover 96. Bis 2023 arbeitete er dort in verschiedenen Trainerrollen, zuletzt als Cheftrainer der U17. Diese Jahre waren prägend – weniger wegen einzelner Erfolge, sondern wegen der Vielfalt an Perspektiven, die ein NLZ bietet.

Er lernte, wie Philosophie entsteht und wie schwer es ist, sie im Alltag zu leben. Er arbeitete als Cheftrainer und Co-Trainer, erlebte Schultraining, strukturelle Zwänge und die besonderen Bedingungen der Covid-Zeit. Unterschiedliche Altersgruppen, unterschiedliche Rollen, unterschiedliche Erwartungshaltungen – all das schärfte seinen Blick für Zusammenhänge.

Vor allem aber lernte er, Überzeugungen nicht zu verteidigen, nur weil sie einmal richtig waren.
„Viele Dinge, an die man am Anfang glaubt, überholen sich“, sagt er. „Findet man einen besseren Zugang oder ein besseres Argument, muss das Alte sofort fallen gelassen werden.“

Diese Haltung ist geblieben.

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Warum für ihn nicht das Talent entscheidet

 

Im Zentrum seiner Arbeit steht eine klare Überzeugung: Persönlichkeit ist entscheidender als fußballerisches Talent. Nicht als Floskel, sondern als täglicher Maßstab.

Er versteht sich weniger als reiner Fachtrainer, sondern als jemand, der Kultur prägt – in der Mannschaft wie im Staff. Leistung entsteht für ihn nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch ein Umfeld, das Entwicklung ermöglicht und fordert.

Sein Ansatz ist bewusst unspektakulär: lieber in vielen Bereichen ein Prozent besser werden, als alles auf einen Schwerpunkt zu setzen. Gleichzeitig ist er ein Tüftler. Er entwickelt neue Trainingsformen, probiert aus, justiert nach. Vieles davon bleibt unsichtbar. Es erzeugt keine schnellen Highlights, aber es schafft Substanz – und belastbare Beziehungen zu Spielern, Mannschaft und Staff.

Nähe, Klarheit und die Sache mit der Fairness

 

In der täglichen Arbeit ist ihm ein Punkt besonders wichtig: Fairness. Spieler müssen das Gefühl haben, dass Auswahl und Aufstellung nachvollziehbar sind. Dass Leistung zählt.

„Das ist die Basis“, sagt er. „Auch wenn Wahrnehmungen auseinandergehen können – der Spieler muss überzeugt sein, dass er sich durch Leistung in die Mannschaft spielen kann.“

Seinen Führungsstil beschreibt er treffend mit dem englischen Begriff 'tough love'. Entwicklung steht immer im Vordergrund. Das schließt Nähe ein, aber auch Klarheit. Und manchmal harte Wahrheiten. Er glaubt an das Potenzial jedes Einzelnen – gerade deshalb scheut er sich nicht vor unbequemen Gesprächen.

Die Augenblicke, die man nicht festhält

 

Fragt man ihn nach einer Anekdote, weicht er aus. Nicht aus Unwillen, sondern aus Überzeugung. Es sind nicht die großen Geschichten, die ihn antreiben.

Es sind die kleinen Momente: ein Training, in dem alles greift. Eine Kabinensituation, die stimmig ist. Ein Spiel, in dem man spürt, dass Mannschaft und Idee zusammenfinden. Diese Augenblicke dauern selten lange.

Man freut sich, sagt er, „einen Bruchteil“. Dann beginnt die Reise erneut. Das passt zu seinem Verständnis von Trainersein: nichts ist endgültig, alles bleibt Prozess.

Ausbildung ohne Siegeswillen ist für ihn keine Ausbildung

 

Er glaubt nicht an den Gegensatz zwischen Entwicklung und Wettbewerb. Für ihn gehört beides zusammen – solange die Prioritäten klar sind.

Auch im Ausbildungsbereich erwartet er den absoluten Willen, Spiele zu gewinnen. Fehlt dieser, wird er deutlich. Ärger über mangelnden Siegeswillen kennt er. Ärger über ein einzelnes Ergebnis weniger.

Im Profibereich verschieben sich die Gewichtungen. Dort richtet sich mehr auf das nächste Spiel aus. Beides reizt ihn.

Entscheidend ist für ihn, dass Fußball immer darum geht, etwas zu erreichen – nicht darum, etwas zu vermeiden.

@Atlanta United

@bigzzshots

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